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Erfahren Sie mehr über Vižula

EINE HALBINSEL AN DER SPITZE DES MITTELMEERRAUMS

Neueste archäologische Forschungsergebnisse deuten verstärkt darauf hin, dass im 3. und 4. Jahrhundert n. Chr. zur Zeit Kaiser Konstantins auf Vižula ein prächtiger, monumentaler kaiserlicher Palast existierte. Mit Sicherheit können wir heute jedoch sagen, dass die archäologische Stätte Vižula, dessen Besiedlung bis ins Neolithikum zurückreicht, eine der schönsten Wohnvillen mit jahrhundertelanger Bautradition aus der Zeit des kaiserlichen Roms (vom 1. bis zum 5. Jh.) an der östlichen Adria darstellt.

Der Archäologe Igor Miholjek weist darauf hin, dass sich die römische Villa auf Vižula seit der Antike in einer für die Seefahrt in diesem Teil der Adria strategisch wichtigen Lage befand. Die Halbinsel Vižula befindet sich in der Bucht von Medulin an der Spitze des Mittelmeerraums auf einem bedeutenden Seeweg, der seit der Antike vom Golf von Triest bis zum Kap Kamenjak führte. Dort verzweigte sich der Seeweg in zwei Richtung: einerseits nach Tarsatica und zu den Inseln Cres, Lošinj, Unije und Susak und andererseits in Richtung Süden nach Dalmatien. Diese Lage bedeutete für die Bewohner der Villa einen sicheren Lebensraum und für die Seefahrer einen sicheren, von starken Winden und vom offenen Meer geschützten Ankerplatz.

Die Spuren der großartigen römischen Zivilisation sind auf der ganzen Halbinsel und im Meer sichtbar und seit 1970 als Kulturdenkmäler geschützt. Der Bau antiker Villen an der östlichen Adriaküste begann mit den römischen Eroberungen im 2. Jh. v. Chr. und erlebte seine Blütezeit im 1. und 2. Jh. n. Chr. Dies ist an den beeindruckenden archäologischen Überresten der Villa auf Vižula erkennbar, die sich durch ihre „Größe, luxuriöse Bauweise und die teuren architektonischen Details und Baumaterialien auszeichnet“.

Dr. Vesna Girardi Jurkić schrieb, dass die Villa auf Vižula bereits 1907 von Bernardo Schiavuzzi als die kaiserliche Villa von Crispus, Sohn Kaiser Konstantins des Großen, erwähnt wurde. Intensive archäologische Forschungen, die in den letzten drei Jahrzehnten zuerst unter der Leitung von Dr. Vesna Girardi Jurkić und danach von Kristina Džin im nordwestlichen Teil der Halbinsel durchgeführt wurden, haben bestätigt, dass dieses Gebiet vom 1. bis zum 6. Jahrhundert durchgehend besiedelt war. Dann wurde der Gebäudekomplex zerstört und später wieder auf- und umgebaut. Zusätzlich zu den zahlreichen Artefakten aus dieser Zeit weisen auch die gefundenen Münzen auf die lange menschliche Präsenz auf der Halbinsel hin. Die meisten Artefakte stammen aus der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts, als die alte Villa abgetragen und nach dem Geschmack dieser Zeit umgebaut wurde.

In Istrien gab es zahlreiche kaiserliche Anwesen. Die Villa auf Vižula gehört zusammen mit den Villen in der Bucht Verige auf den Brijuni-Inseln und in Loron in der Nähe von Novigrad zu den berühmten kaiserlichen Villen. Diesen Status hatte auch der Diokletianpalast in Split. In Bezug auf ihre architektonischen Merkmale ist Vižula eine maritime Villa, die alle Vorzüge der umliegenden Landschaft und der Küste vereint. Solche Villen wurden an attraktiven Standorten, insbesondere in „herausragender Lage auf einer Halbinsel oder in geeigneten Buchten gebaut und nahmen in der Regel die ganze Küste und sogar das Meer vor dem Anwesen ein.“


EINE MONUMENTALE VILLA AUF VIER TERRASSEN

Die Villa auf Vižula wurde auf vier Terrassen entsprechend dem Gefälle des Geländes gebaut. Mit ihren monumentalen, dem Meer zugewandten Fassaden und ihren Säulengängen (Portiken) dominierte sie dank ihrer Größe und spezifischen Bauform die Küste. Die Lage der Villa auf Vižula, die heute zu einem erheblichen Teil durch die Wirkung von Naturkräften wie Bodenerosion und Anstieg des Meeresspiegels unter Wasser liegt, und ihre monumentale Größe weisen alle Charakteristiken einer maritimen Villa auf.

Auf Vižula wohnten Würdenträger, Patrizier und Senatoren. Zu ihrem Lebensstil gehörten Komfort und Vergnügen, und von ihrem Reichtum und Luxus zeugen alle bisher entdeckten Teile der Villa. Dazu gehören reiche Mosaiken und mehrfarbige Marmorflächen, ein Aquädukt, ein Hypokaustum (Boden- und Wandheizungssystem für Therme mit Becken), Audienz- und Banketthallen, ein Peristyl mit gepflegten Gärten und ein Portikus, in dem Feste die ganze Nacht dauerten. In der Nähe von Vižula wurde eine Nekropole am Standort Burle entdeckt. Die Fülle an Artefakten, die in den 312 erforschten Gräbern vorgefunden wurden (z.B. Gold- und Smaragdschmuck oder feinstes Geschirr aus Glas) zeugen vom Reichtum dieses Gebäudes und vom luxuriösen Leben der Bewohner von Vižula. Einige dieser Funde werden der Öffentlichkeit präsentiert.

Im Mittelalter und unter venezianischer Herrschaft war Vižula eine Insel, die durch den Bau eines Kanals von der Küste von Medulin getrennt wurde. Zu dieser Zeit nannte man diesen Standort Isola di vescovo (Bischofsinsel).

Die zahlreichen archäologischen Funde auf Vižula zeugen vom jahrhundertelangen Luxusleben in dieser kaiserlichen Villa bzw. diesem Palast. Gefunden wurden Trinkgläser, Fensterglas, Bronzebeschlag, Eisennägel, landwirtschaftliche Werkzeuge (Schaufel, Hammer und Teile eines Pflugs), feine Tafel- und grobe Haushaltskeramik, Zierspangen und Münzen römischer Kaiser (z.B. Claudius, Augustus, Valentinian II), Amphoren für Öl und Wein, dolia-Tongefäße für Getreide sowie tegulae – Keramikziegel mit Werkstattstempeln (Q. Clodius Ambrosius, Pansiana) für Dächer und Kanäle. Besonders interessant sind einzigartige spätantike Reliefgläser mit einem sich aufbäumenden Pferd und die T-förmige Zwiebelknopffibel aus Bronze aus dem 4. Jahrhundert. In allen Teilen der Villa wurden Keramikgegenstände gefunden, die aus Nahost, Griechenland, Ägypten, Italien und Gallien importiert wurden. Sie stammen aus der Zeit zwischen dem 1. und 6. Jahrhundert, als man in der Villa besonders luxuriös lebte.


DER ANTIKE GARTEN

Die antike Geschichte von Vižula spiegelt sich im antiken Garten, der sich im südwestlichen Teil der Halbinsel neben der ehemaligen villa rustica befindet, wider. So wie ein Freilichtmuseum gibt die antike Gartenanlage mit ihrer Struktur, ihren Düften und Farben einen Einblick in den einstigen Luxus der reichen römischen Villa auf Vižula.

Es ist bekannt, dass Gartenbau im Römischen Reich eine bedeutende Entwicklung erlebte. Zu dieser Zeit war es äußerst wichtig, Nutzpflanzen im Garten zu haben und diesen zu pflegen, denn er spiegelte den Reichtum seiner Besitzer wider. In die Gartenpflege investierte man viel Aufmerksamkeit und Mühe, insbesondere in Bezug auf das Beschneiden von Bäumen und die Anlage geometrischer Figuren. Dabei war es wichtig, den Garten und den Wohnbereich möglichst perfekt in Einklang zu bringen. In römischen Gärten befanden sich darüber hinaus wertvolle Objekte, die ebenfalls den Eindruck und das Gefühl von Luxus vermittelten.

Typisch für die Pflanzenkultur in römischen Gärten waren Rosmarin, der in der Pharmazie, Küche und Kosmetik weit verbreitet war, und Lorbeer, mit dem Dichter und Olympia- und Kriegssieger geehrt wurden und den man über die Tür der Patientenzimmer stellte, um böse Geister und den Tod fernzuhalten. Eine weitere wichtige Pflanze in einem römischen Garten war Myrte, die Venus, der Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit, gewidmet war. Auch die Symbolik der Rose verband man in römischer Zeit mit Venus. Der Legende nach ist die weiße Rose rot geworden, nachdem sich Venus, als sie zum Treffen mit Adonis eilte, an einem ihrer Dornen stach. Duftpflanzen wurden für die Herstellung von parfümiertem Wasser und Massageölen und Gewürzkräuter zum Kochen verwendet.


Im antiken Garten auf Vižula wurden ausschließlich Pflanzen angebaut, die auch die Römer damals in ihren Gärten und Parkanlagen hatten: Olivenbäume (Olea europaea), Weinreben (Vitis vinifera), Buchsbäume (Buxus sempervirens), Myrte (Myrtus communis), Lorbeer (Laurus nobilis), Thymian (Thymus vulgaris), Ringelblume (Calendula officinalis), Oregano (Origanum vulgare), Oleander (Nerium oleander), Lavendel (Lavandula stoechas), Rosmarin (Rosmarinus officinalis), Mittelmeer-Strohblumen (Helichrysum stoechas) und Rosen (Rosa div. sp.). Gönnen Sie sich eine Pause im Schatten eines Mandelbaums (Prunus amygdalus) und bewundern Sie den Granatapfelbaum (Punica granatum) und seine wunderbaren Früchte, die Reichtum symbolisieren.

DIE NEKROPOLE BURLE

Die archäologischen Funde in der Nekropole Burle auf der gleichnamigen Landenge deuten auf den Wohlstand und das prächtige Leben der damaligen Bewohner von Vižula hin. Dieses Gebiet auf der nordöstlichen Seite des Festlands war zuerst eine Nekropole und später ein Friedhof (coemeterium). Hier wurde eine weitläufige kaiserliche bzw. spätantike Nekropole mit einer Mauer im Nordosten gefunden, die heutigen Friedhofsmauern ähnelt. Der südöstliche und nordwestliche Teil der Nekropole von Medulin mit den ältesten Brandbestattungen aus der Zeit Caesars und Augustus befinden sich heute unter Wasser am Boden des Hafens von Medulin bzw. der Bucht Burle. Im Rahmen der archäologischen Forschungen zwischen den Jahren 1979 und 2000 und später dann im Jahr 2015 wurden insgesamt 332 Gräber untersucht, davon 60 Skelettgräber (1. – 6. Jh.), 272 Brand- und Skelettbestattungen sowie zwei Bleisarkophage in gemauerten Grabstätten.

In der Zeit zwischen dem 1. und 6. Jahrhundert wurden hier alle Bewohner von Vižula bestattet, unabhängig davon, ob sie reich oder arm, Sklaven oder Freigelassene waren. Dr. Vesna Girardi Jurkić schrieb in ihren Notizen, dass wir aufgrund der entdeckten Grabdenkmäler wissen, dass „den Hausgöttern, den Manen, eine Frau namens Marcia zu Lebzeiten ihrem geliebten Mann, Eliodor (Aeliodorus), mit dem sie acht Jahre lang zusammenlebte, und ihrem geliebten Sohn, Valerio Firmin (Valerius Firmin), ein Grabdenkmal errichten ließ. Ein anderer Bewohner von Vižula war der Sklave Sabin (Sabinus), Diener der Coloni von Pula, der seiner geliebten Frau Claudia Pusilla (Claudia Pusilla) ein Denkmal errichten ließ“.

Besonders interessant und wertvoll sind die Funde aus den Bleisarkophagen, die vom Reichtum und von der Bedeutung der Verstorbenen zeugen. Im Sarkophag eines Mannes wurden Glasflaschen mit dem Monogramm V. D. und Palmzweigen am Flaschenboden gefunden. Im Sarkophag einer Frau befand sich eine goldene Kette mit Smaragden und goldene Ohrringe mit Amethysten. Diverse Fundstücke, wie z.B. ein Bernsteinring (mit der Figur des Herakles), goldene Ohrringe, Gemmen mit der Figur des Meeresgottes Glaukos und eines Skorpions, Keramik- und Glasbecher sowie Tassen und Lampen, zeigen, dass die Bewohner von Vižula reiche Römer waren, die im Luxus lebten und Preziosen aus überseeischen Ländern importierten, um ihren wirtschaftlichen und politischen Status unter Beweis zu stellen, schrieb Dr. Vesna Girardi Jurkić über Vižula.


 


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